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WIE FAKE-NEWS DIE MEDIENKOMPETENZ UNSERER SCHÜLER STEIGERN

by nico

Manche plädieren ja dafür, sich am liebsten komplett von sozialen Netzwerken zu verabschieden: Vor allem Wut und “Dagegen”-Stimmen wird dort Raum geschenkt! So ist zumindest der Eindruck, wenn man sich durch die beliebtesten Posts oder die Mehrzahl der Kommentare unter einem Beitrag scrollt. Webdienste scheinen ihre Nutzer in dem Zorn der Unsicherheit zu bestätigen. Das Internet scheint ein hässlicher und betrügerischer Ort geworden  zu sein…

 

Der einfachere Zugang zu technischen Informationsmedien, zum Beispiel die Möglichkeit, SMS per Telefon zu verschicken, hat wahrscheinlich mit zum wunderbaren und historischen Rückgang schwerer Armut überall auf der Welt in den letzten Jahrzehnten beigetragen. Dann aber kamen die sozialen Netzwerke, und die Mobiltelefone verwandelten sich in Propagandawerkzeuge. Virale Lügen über Kindesentführungen oder Shit-Posts werden zu einer tödlichen Waffe, wenn sie den Mob aufwiegeln. Bizarren Behauptungen über Unrecht, das eine Blutrache nach sich zieht, und angeblich von Angehörigen der feindlichen Gruppe begangen wurde.

Zunächst ist eine Social-Media-Plattform ja etwas Gutes. Meist ist sie von Idealisten und Weltverbesserern gegründet und meist wird sie von Idealisten und Weltverbesserern entdeckt. Zuerst funktioniert das stets wunderbar, oft sogar mit spektakulärem Erfolg. Aber dann ziehen diese Plattformen letztlich leider eher Großmäuler und Betrüger an.

 

Warum?

 

Weil die Seite langfristig mehr der versteckten, böswilligen Manipulation dient als jedem anderen Zweck. Etwas pauschal gesagt: Die Idealisten werden mit Shit-Posts bombardiert und sind in der Konsequenz etwas isolierter als vorher. Gleichzeitig können diese Geschädigten nicht anders als sich auf den Plattformen wiederum darüber zu beklagen. Ein Kreislauf beginnt, der den Glauben an die Menschen eher ins Wanken bringt als ihn zu bestärken.

Aber wie bringt man einen solch schwierigen Inhalt den Schülern nahe? Wie verstehen Kinder die Macht einer Falschmeldung? Wie erkennen sie für sich, was gut und weniger gut ist?

Indem sie – wie so oft –  das Große im Kleinen widergespiegelt sehen. In konkreten Fallbeispielen aus der eigenen Lebensumwelt. oder zumindest aus der näheren Lebensumwelt. Gerne greife ich dafür konkrete Beispiele auf, von denen mir die Schüler spontan in der Schule erzählen. Aber ich habe auch ein paar Beispiele in der Hinterhand, die diese schwierigen Fragen beantworten möchten.

 

BEISPIEL 1:

Den Kontext und die korrekte Wiedergabe der Quelle korrekt prüfen

Die Story dazu: Eine Mutter fotografierte ihren 18 Monate alten Sohn bei einem Besuch eines Kinderheims in der südindischen Stadt Chennai im Jahre 2011. Anschließend lädt das Bild auf einem sozialen Netzerk hoch, um Aufmerksamkeit für die Lage des Heims zu erzeugen. Damit verlor sie die Rechte am Bild.

Im Januar 2012 tauchte es in der Foto-Community eines amerikanischen Magazins auf. Danach wurde das Foto auf verschiedenen Internetseiten geteilt, bearbeitet, weiterverbreitet.

 

Am 27. Februar 2016 schließlich hatte die CDU-Politikerin Erika Steinbach das Foto getwittert. Das Bild, auf dem ein blondes Kleinkind von dunkelhäutigen Kindern staunend begutachtet wird, spielt mit der Überschrift “Deutschland 2030” auf eine fiktive Zukunft an, in der dunkelhäutige Menschen die Mehrheit in der Bundesrepublik stellen. Im Zuge der Flüchtlingskrise sollte das Bild wohl die Vorstellung einer unkontrollierten Masseneinwanderung suggerieren.

 

BEISPIEL 2:

Die Seriosität einer Nachricht bzw. der Quelle prüfen

Die Story dazu: Die Mitteldeutsche Regiobahn hat Abteile speziell für Frauen testweise eingeführt, im Stile und Sinne eines Parkplatzes speziell für Frauen. Leider hat eine rechtsgerichtete Facebook-Seite dies zum Anlass genommen, Übergriffe durch Flüchtlinge auf Frauen als vermeintlichen Grund für die Einführung der Abteile herzunehmen.

 

BEISPIEL 3:

Zeigt ein Foto wirklich das, was es vorgibt zu zeigen?

Das Plakat der Kleintierschau hat wirklich nichts mit der angeblichen Ziegenschlachtung oder sonst einem Inhalt des Posts zu tun. Nichtsdestotrotz wurde sich eine Story dazu ausgedacht, die von den Menschen, die es glauben wollten, auch geliket und geteilt worden ist. 

 

Die österreichische Seite Mimikama bemüht sich um Aufklärungen von Falschmeldungen und kann auch im Unterricht zur Analyse von Fake-News herangezogen werden. Im konkreten Beispiel schrieb sie die Gemeinde mit der Kleintierschau an, woraufhin ihr von dort versichert worden ist, dass im Rahmen der Kleintierschau nichts Außergewöhnliches passiert ist.

 

Weitere Tipps, die im Zusammenhang mit Fake-News stehen, sind:

 

Was steht wirklich im Artikel? Und was nur in der Vorschau?
Wo kommt die Information her?
Handelt es sich um eine Satire-Meldung?
Ist die Information eigentlich tatsächlich brisant? Oder nur aufgebauscht?
Kann ich anderen Nutzern helfen?

Von der “Zeit für Schule” habe ich dir auch wieder einen passenden Link herausgesucht, den du mindestens als Inspiration für dich einsetzen kannst:

 

Nicht die Plattformen wie Facebook und Twitter sind a priori das schlechte, aber sie bringen aber das Schlechte aus den Menschen hervor.

Aber vielleicht noch viel nachhaltiger als all das, was ich zuvor geschrieben habe, ist vor allem eines: der Fokus. Vielleicht sollte dieser Beitrag eher heißen:

 

Wie Fake News dazu führen,
den Fokus unserer Schüler auf das Positive lenken

Denn wenn der Fokus sich auf das Negative, Gefährliche, Unbekannte, Riskante konzentrieren möchte, dann sieht man auch nur das Negative, Gefährliche, Unbekannte und Riskante. Du bist, wo dein Fokus ist.

 

Nachrichten sind leider aufgrund ihrer ganz eigenen Dynamik ein nicht unwesentlicher Bestandteil, einem solchen Fokus Nahrung zu geben. Die abstoßendsten und paranoidesten Nachrichten erhalten die größte Aufmerksamkeit. Die Emotionen verselbständigen sich, weil damit einhergehend auch die Betroffenheit außer Kontrolle gerät. Und so wichtig, wie es ist, dass Schüler mit Nachrichtenmeldungen umgehen lernen – genauso wichtig ist es auch, ihren Fokus auf die guten Nachrichten dieser Welt zu legen und den negativen weniger Beachtung zu schenken.

 

Einmal in der Woche erhalte ich beispielsweise den Newsletter von Effektvoll-News. Es ist ja gar nicht so leicht, die guten Nachrichten in dieser Welt zu finden. Aber von diesem Newsletter suche ich mir für den Gesprächskreis, den ich einmal in der Woche im Zusammenhang mit dem Klassenrat durchführe, eine dieser Nachrichten aus dem Newsletter aus und erzähle meinen Schülern davon.

 

Meine Schüler sind auch durch die anderen kleinen Mindful-Übungen zu Beginn und Ende des Tages oder die Art und Weise, wie wir Probleme im Klassenrat lösen, zusätzlich fokussiert auf die guten Dinge im Alltag.

 

Den Fokus auf gute Nachrichten zu lenken, hilft dabei, auch im Alltag den Fokus auf das Gute beim Mitschüler oder dem jeweiligen Gegenüber zu lenken. Oder das Gute in den alltäglichen Umgebungen zu entdecken. Das ist ganz ähnlich wie bei den bereits erwähnten Dankbarkeitsübungen. Nicht das effekthaschende oder das beschwerende kleine Ungetier in den Köpfen der Heranwachsende sollte die Aufmerksamkeit bekommen, sondern das wertschätzende und das Gute sehende.

 

Meiner Meinung nach liegt darin die wahre Lösung des Problems. Denn all die Regulatoren, die Facebook und Co in ihren negativen Auswüchsen unter Kontrolle bringen möchten und all die Hoffnungen, die immer noch in den sozialen Netzwerken liegen: Die Lage nicht sehr ermutigend.  Der wahre Change liegt im Mind-Set. Auf die Gefahren vorbereiten, aber eben viel mehr noch den Fokus schärfen. Hin zum Guten. Mit mehr Mindfulness für die Kids.

 

be yourself and empower your life, nico

 

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