#023

WIE DU SINNVOLLES KOMMUNIZIEREN UND KOOPERIEREN MIT MEDIEN ANBAHNST

by nico

Man kann natürlich unterschiedliche Meinungen über die verschiedenen Medien haben. Und natürlich steckt nicht nur die Chance in diesen Geräten, dass sich die Kinder die Welt in einem gewissen Rahmen selber erschließen können. Aber gerade deswegen ist es auch unsere Aufgabe, über die Risiken aufzuklären und den Umgang mit Informationen zu durchdenken.

 

Im übernächsten Beitrag werde ich daher auf den Themenkomplex Big Data eingehen – das also, was eine der hauptsächlichen und eigentlichen Grundlagen von Programm wie WhatsApp, Facebook Instagram, Snapchat und Co, aber auch von Firmen wie Google, Amazon und in einem gewissen Maße auch Apple sowie zahlreichen anderen darstellt: die Macht der Meta-Information.

 

Aber heute geht es – als Einstieg quasi – erst mal um den primären und offensichtlichen Nutzen und Vorteil dieser Apps: Kommunikation. Kommunizieren und kooperieren. Der blaue Bereich im Medienkonzept: Wie kannst du dessen Inhalte im Unterricht in die Praxis umsetzen?

Nun, Kommunikation geschieht ganz naturgemäß mithilfe von Medien. Schon immer. Und Insofern ist auch das Schreiben eines Briefes zum Beispiel ein Weg, in diesem Bereich bei den Kindern eine Netiquette in der digitalen Kommunikation zu fördern…

Netiquette

Netiquette ist ein Kunstwort, das ein angemessenes und respektvolles Benehmen in der digitalen Kommunikation meint. Das beinhaltet natürlich auch die klassische Etikette, die bei uns ander Schule auch im Methodenkonzept festgehalten sind (Melderegeln, gezieltes Nachfragen, in ganzen Sätzen sprechen, Hilfe adäquat annehmen und anbieten und vieles mehr).

 

Aber Netiquette ist umfassender, als man bei dem Wort vielleicht zutrauen würde, denn dazu gehört zum Beispiel auch, bei der Übermittlung von Nachrichten und Dateien auf das Format zu achten. Damit es bei möglichst alles Lesern so ausschaut, wie es aussehen soll. (Was einer der Gründe für den Erfolg des pdf-Formats ist.)

 

Was aber leichter in der Grundschule vermittelbar ist, sind gewisse Verhaltensregeln in der Lesbarkeit einer Nachricht. Als konkrete Beispiel-App bietet sich hierbei WhatsApp an, die allen Schülern wenn nicht von ihrem eigenen Gerät, dann doch zumindest vom Handy ihrer Eltern bekannt sein dürfte. Es finden sich im Augenblick nur ganz schwer Smartphones, auf denen diese Kommunikations-App nicht installiert sein dürfte.

 

Mit einfachen Beispielen kriegen die Schüler einen Eindruck von der Wirkung von Schrift – was allein schon für den Deutsch-Unterricht oder die Außenwirkung von Hefteinträgen sehr interessant ist. 

 

Dazu habe ich dir hier eine kleine Präsentation zur Verfügung gestellt, die verschiedene Unhöflichkeiten der Online-Kommunkation in einem Dokument versammelt und als stummer Impuls ein Unterrichtsgespräch nach sich zieht. Dazu gehören korrekter Satzbau, eine korrekte Rechtschreibung, die Verwendung von Großbuchstaben, Fettschrift oder zu vieler Satzzeichen. Und auch das Zitieren (nicht zu wenig, nicht zu viel).

 

Datenschutz und Urheberrecht

Das Werk und die Information anderer zu respektieren und achtsam zu behandeln ist ebenfalls ein Aspekt der Netiquette. So wie zum Beispiel wir Lehrer darauf achten, dass der Inhalt einer Nachricht möglicherweise auch von Dritten eingesehen werden kann und daher vertrauliche Daten oder konkrete Schülernamen nie in einer einfachen e-Mail auftauchen sollten. Datenschutz ist genauso wie das Urheberrecht ein Merkmal, das in der Grundschule sicherlich nur in Ansätzen vermittelt werden kann. Aber die in anderen Blog-Beiträgen von mir angesprochenen geforderten Quellenangaben bei Referaten schaffen hier zumindest einen Einstieg in dieses Themengebiet.

 

Auch wenn der Erfolg bei den Kindern sehr unterschiedlich ist, und manche auch beim vierten digitalen Referat noch an keine einzige Quellenangabe gedacht haben: Allein die Vorbildwirkung des Lehrers und von anderen Schülerreferaten, bei denen das geklappt hat, bahnen hier eine Achtsamkeit und Respekt gegenüber dem Werk anderer an.

 

Eine Umkehrung der Betrachtungsweise des Datenschutzes und des Urheberrechts wiederum eröffnet den Kindern einen ganz anderen Blickwinkel: Geschieht mit den Dingen, die ich schreibe oder poste (Fotos zum Beispiel) eigentlich das, was ich wollte? Kann ich mir sicher sein, dass niemand die Informationen oder die Fotos weitergibt? Werde ich so wahrgenommen wie ich bin? 

 

Die Antwort ist meistens nicht die gewünschte und auch das Zeit-Magazin Leo hat sich dieses Themas einmal angenommen und neben vielen anderen Themen auch dazu ein Material veröffentlicht, das man als Lehrer auch in der Grundschule einsetzen kann.

 

Es geht in diesem Material auch um Netiquette und was Bilder oder Daten sind, die gepostet werden sollten. Je nach individuellem Stand deiner Klasse kann das auch noch zu weit gehen, aber ich hatte schon vierte Klassen, in denen das Versenden ungeeigneter Fotos oder Mobbing ganz konkretes Thema war und der Lebensrealität meiner Schüler entsprungen ist. 

 

Den Eltern, mir und nicht zuletzt den Schülern hat dann folgende Infografik von klicksafe geholfen, die ich anhand von Beispielen besprochen habe.

 

Wechsel des Kommunikationskanals

Eine digitale Kommunikation über einen Messenger zu führen, ist natürlich sehr praktisch, weil in der Regel keine Kosten damit verbunden sind und dem Gegenüber schnell eine Nachricht hinterlassen werden kann.

 

Nichtsdestotrotz muss ich mich doch oft fragen, ob manche Dinge nicht schneller und mit einem besseren Informationsfluss telefonisch zu klären wären. Oder ob Sprachnachrichten eine Alternative wären. Oder ob eine Datei wie ein Foto oder ein längerer Text nicht besser per Mail gesendet werden sollten. Mit den Kindern greife ich dabei auf die Medien-Karten zurück, die ich dir im Blog-Beitrag #20 zur Werbung zur Verfügung gestellt habe. 

 

Im Zentrum der Tafel befindet sich die Messenger-Karte und außen herum positioniere ich ausgewählte Karten wie Mail, Telefon, Airdrop oder Brief. Anschließend gehen wir gemeinsam verschiedene Beispiele durch und welches Medium sich idealerweise dafür eignet. Darunter sind Fragestellungen wie: Ich brauche ein Foto von einem Arbeitsblatt. Mein Freund möchte gerne meine Präsentation haben. Ich verstehe eine Aufgabe nicht. Oder: Der Lehrer teilt einen Verweis aus – das finden auch die Kinder merkwürdig, wenn ich das per SMS an die Eltern senden würde.

 

So habe ich auch diesen Punkt des Medienkonzepts in der Werbe-Sequenz mit behandelt. Aber der tiefere Sinn erschließt sich vor allem Grundschülern natürlich erst während konkreter Szenen im Alltag. Dabei lasse ich keine Situation aus, darauf hinzuweisen, wenn ich es mitbekomme. Zum Beispiel bei der eigenständigen Informationsbeschaffung:

 

Eigenständige Informationsbeschaffung

Was beim Recherchieren vielleicht den Kindern auf der Hand liegt, gelingt nicht immer in anderen Situation: Je älter die Kinder zwar werden, desto leichter fällt es ihnen, sich fehlende Information zu besorgen und Kommunikationsmöglichkeiten wie WhatsApp auch zu diesem Zweck einzusetzen. Aber kaum ein Grundschüler bei mir kam bisher mal von alleine auf die Idee, offene Fragen bei Mitschülern am Nachmittag per Telefon, WhatsApp oder auf einem anderen Wege zu erfahren – zum Beispiel wenn man krank war. Es ist unbestreitbar, dass digitale Medien hier einen klaren Sinn machen würden, weil sie ganze Prozessabläufe effektivieren.

 

Um beim Beispiel des kranken Kindes zu bleiben: Das Zusammenstellen einer Krankenmappe, das Finden des richtigen Kindes, das die Materialien mitnimmt und das Erklären der darin vorkommenden Aufgaben – all das steht dem Versenden eines Fotos auf dem Handy gegenüber, wenn der kranke Peter mal kurz den Freund Hans anruft.

 

Ich habe das jetzt hier natürlich ein wenig überspitzt beschrieben, aber im Kern geht es mir um die Selbstständigkeitserziehung bei den Kindern. Genauso wie ich sie daran erinnere, dass man bei Fragen zu den Hausaufgaben doch hätte nachfragen können, bevor es zu spät ist (bei mir kriegen die Schüler die Hausaufgaben oftmals von Woche zu Woche auf), genauso animiere ich sie dazu, fehlende Materialien selber zu besorgen.

 

Natürlich übernehme ich als ihr Grundschullehrer die letzte Verantwortung dafür, ich habe das schon im Blick. Aber zu einer medialen Erziehung und einer guten Kommunikation und Kooperation mit digitalen Medien gehört für mich eben auch dieser Aspekt dazu.

 

Vor- und Nachteile gegenüber anderen Messengern

Neben WhatsApp gäbe es ja auch die klassische SMS oder andere Apps wie Threema und Telegram. Aber auch Facebook, Instagram und Co werden gerne als Messenger benutzt. Je nach Stand deiner Klasse sind den Schülern hier unterschiedliche Apps bereits bekannt.

 

An dieser Stelle setzt ein anderes Material des Zeit-Magazins Leo an, thematisiert Vor-und Nachteile und auch das Chatten an sich oder was eigentlich zu viel chatten und kommunizieren ist.

 

Es gibt bei der Zeit noch mehr interessante Materialien, die ich gerne im Lese-Unterricht einsetze, schau dich doch einfach dort mal um. 

 

Und auch bei klicksafe.de gibt es viele inspirierende Materialien oder Videos, die einen Einstieg in medienpädagogische Themen erleichtern können.

 

Vielleicht fragst du dich noch, wann du auf all das mal mit deinen Schülern eingehen sollst? Nun, wenn sich die Themen dieses Blog-Beitrag nicht von sich aus oder ganz natürlich als Bestandteil in anderen Unterrichtssequenzen anbietet, dann greife ich die Inhalte im Rahmen des Sexualkunde-Unterrichts auf.

 

Natürlich hat der Themenbereich “kommunizieren und kooperieren” erst mal nichts mit den Inhalten des Sexualkundeunterrichts zu tun. Aber es geht genauso um eine Vorbereitung auf die Pubertät und sind Themen, die meistens zum Ende der vierten Klasse für die Kinder interessant werden. Weil sie dann langsam Teil ihrer Lebensrealität werden. Insofern halte ich spätestens diesen Zeitpunkt für geeignet. Damit Cybermobbing möglichst keine Chance hat.

 

 

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