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WIE DEINE SCHÜLER BIG DATA WIRKLICH VERSTEHEN 

by nico

Wenn man sich mal überlegt, wie viel im Internet kostenfrei zugänglich ist, dann kann man sich nur in Ansätzen vorstellen, wie viel die Spuren wert sind, die jeder einzelne im Internet hinterlässt. Die Macht der Meta-Information war schon immer groß, aber nie war sie leichter zu sammeln als mithilfe des Internets. Weil der Gegenwert des Internets für jeden einzelnen Nutzer wiederum so groß ist, dass das Geben mit dem Nehmen akzeptierbar erscheint.

 

Big Data ist der Begriff, den du bestimmt schon mal gehört hast, und genau das bezeichnet. Ich zitiere zur Erklärung einen Teil des Wikipedia-Eintrags zur Massenspeicherung: 

“Der Wunsch der Industrie und bestimmter Behörden, möglichst freien Zugriff auf diese Daten zu erhalten, sie besser analysieren zu können und die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, gerät dabei unweigerlich in Konflikt mit geschützten Persönlichkeitsrechten der Einzelnen. […] Die Analyse, Erfassung und Verarbeitung von großen Datenmengen ist heute in vielen Bereichen alltäglich.”

Man sagt, dass 11% der sichtbare Teil der gesammelten Daten sind und 89% nicht für die öffentliche Anschauung einsehbar seien. Das ist wie bei einem Eisberg, bei dem man nur die Spitze sieht! Eine nahezu exponentiell steigende Datenmenge. Und kaum in Zahlen ausdrückbar…

 

Der weltweit auf Servern gespeicherte Datenmenge betrug im Jahre 2010 nicht einmal ein Zettabyte. Vor drei Jahren waren es dann schon 16 Zettabyte. Und im Jahre 2025 werden es 160 Zettabyte sein.

 

Du weißt nicht, was ein Zettabyte ist? Ging mir auch so, aber auch wenn man es weiß, ist es kaum vorstellbar: 1 Zettabyte sind eine 1 mit 21 Nullen. Also 18 mal ein Gigabyte. Einfach wahnsinnig viel.

 

Eher für dich als für die Schüler ist folgendes Video aus Belgien gedacht, das auf amüsante und gleichzeitig erschreckende Art das Thema “Big Data” greifbar machen möchte. “Dave” zeigt hierin seine magischen Fähigkeiten:

Aber auch für Kinder und  sogar Grundschüler kann man das Thema greifbar machen. In meinem Beitrag #22 bin ich bereits auf die Fähigkeit der Handys eingegangen, die Bildschirmzeit zu analysieren. Das machen die Geräte eigentlich schon immer, aber dadurch wird eine Art von ist Big Data für den User sichtbar: Was hat der Besitzer des Gerätes wann und wie lange genutzt.

 

Wenn man dann auch noch die Fähigkeiten und Möglichkeiten der einzelnen Apps ganz oder teilweise nutzt, dann kommt da noch mal einiges mehr an sammelbaren Daten heraus. Wie viel das Internet eigentlich über einen weiß, wird in diesem Video von klicksafe versucht, transparent zu machen:

Und in diesem Video von klicksafe wird die Standort-Angabe bei Post recht gut für die Schüler heruntergebrochen:

 

Aus Russland stammt eine App namens Findface. Die hatte zum Start zuvor mit OpenSource (also legal) das größte russische soziale Netzwerk VKontakte gescannt, um dann daraus ihr ganz eigenes Geschätfsmodell zu basteln: Eine Gesichtserkennung zur Identifikation von Leuten und dem Finden anderer Fotos der gleichen Person. 

Diese technischen Möglichkeiten sind zum einen von unschätzbaren Vorteil, können aber auch rasch zu einem großen Risiko zu werden. Im Alltag wird und wurde diese App vor allem dafür eingesetzt, Frauen in der Öffentlichkeit zu fotografieren und dann weitere Fotos von ihr im Internet zu finden. 

 

Auf dem Foto ist links der Schnappschuss aus dem Bus zu erkennen und rechts der passende Link zum Instagram-Profil:

 

Von der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es zudem Unterstützungshilfen, die eine Durchführung mit Kindern ermöglichen. Mit dem Namen Datarryn wurde ein komplettes Planspiel kreiert, das ich in dieser Form tatsächlich auch in der Grundschule durchführen konnte. Natürlich mit vielen Erklärungen, aber dennoch so, dass die Kinder an der Herausforderung gewachsen sind und tief in die Materie eingetaucht sind. 

 

Unter folgendem Link gibt es den kompletten Zugriff auf die Infos, die du zur Durchführung des Planspiels brauchst. Dort siehst du im Menü rechts außerdem Unterrichtstips zu weiteren Themen wie der Filterblase und mehr.

 

Und wenn du einen kleinen Podcast zu dem Thema benötigst, gibt es hier etwas vom Bayerischen Rundfunk:

 

Zum Schluss noch ein Beispiel aus China, das die “Möglichkeiten” von Big Data nahebringt. Dort wird nämlich schon seit einigen Jahren getestet und nach und nach eingeführt, ob sich anhand der sammelbaren Daten die Bevölkerung in Gut und Schlecht einteilen lässt.

 

Konkret erhält jeder einen Score-Wert, der sich je nach Verhalten verändern kann. In die Berechnung fließen Dinge ein, die auch bei uns beispielsweise von der Schufa bekannt sind: Wie ist meine finanzielle Historie oder zahle ich Schulden fristgerecht ab. In China fließen dann aber auch Bewertungen auf e-Commerce-Seiten mit in die Bewertung ein oder der Einsatz von Bezahlsystemen (vergleichbar hierzulande mit Paypal).

 

Beängstigender ist jedoch, dass auch der Einfluss auf die Mitmenschen oder das Online-Verhalten insgesamt mit einberechnet wird. Welche Websiten hat direkten Einfluss auf den Score und damit auf die Akzeptanz in der Gesellschaft!

 

Ein hoher Wert führt beispielsweise zu besseren Matchings auf Kontaktseiten. Oder zu Rabatten im Handel oder auf der Stromrechnung. Oder zu besseren Löhnen. Oder um um Warteschlangen im Flughafen herumzukommen.

 

Je niedriger der Wert, desto größer die Ächtung. Und umso schwieriger der Zugang zu Privilegien! Denn dann wird einem die Möglichkeit genommen, überhaupt Inlandsflüge zu machen. Die Internetgeschwindigkeit wird gedrosselt. Die Kinder dürfen bestimmte Schulen nicht besuchen. Gut bezahlte Jobs werden verwehrt. Manche Hotel dürfen nicht mal betreten werden.

 

Besonders Liu Hu hat es erwischt: Er hatte ursprünglich einen sehr hohen Wert, weil er mit Zivilcourage zur Überführung eines Mörders beigetragen hat. Aber als er dann anfing, einen Minister der Korruption zu verdächtigen (und dies mit Beweisen untermauerte), wurde er von der Regierung als nicht vertrauenswürdig eingestuft. Was den Score so reduziert hat, dass er wie schon sieben Millionen Chinesen zuvor auf einer Blacklist landete, was wiederum zur Folge hatte, dass sein Social Media Account mit 740000 Followern gelöscht worden ist. 

 

Übrigens: Die Folge 1 der dritten Staffel der Serie Black Mirror beschäftigt sich genau mit diesem Thema! Ein Blick in diese Folge lohnt sich allemal.

 

Die Bevölkerung Chinas spricht sich aktuell mehrheitlich für die Einführung dieses Bewertungssystems aus, vielleicht auch, weil man dort anders aufwächst als in der westlichen Hemisphäre. Aber eine solche Zustimmung würde ich gerne bei unseren Heranwachsenden vermeiden. 

 

Natürlich muss jeder User für sich selbst entscheiden, was er möchte und wie er sein Gerät nutzt. Aber er sollte zumindest Bescheid wissen, was technisch möglich ist und ihm passieren kann.

 

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