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MINDFUL & DIGITAL & TEACHING

by nico

Wie du wahrscheinlich schon herausgehört hast: Genau, ich bin Lehrer. Einer von jener Menschengruppe also, mit der nicht jeder in seinem Leben gute Erfahrungen macht. Genauer gesagt bin ich Lehrer an einer Grundschule in Bayern, und das bin ich seit mittlerweile anderthalb Jahrzehnten. Grundschullehrer ist definitiv ein unglaublich toller Beruf, in dem man in strahlende Kinderaugen blickt. Schüleraugen, die neugierig auf das Leben und den Lernstoff sind. Augen, die mich jeden Tag aufs Neue motivieren, die bestmögliche Entwicklung eines jeden Kindes zu fördern. Klar gibt es auch Umstände, die einen durchaus herausfordern. Aber auch das trägt letztlich dazu bei, viele kleine Charaktere auf ihrem eigenen Weg durchs Leben zu begleiten, mit ihnen gemeinsam große erste Schritte zu wagen und ihnen Perspektiven oder Anschauungen mitzugeben, weil sie mir wichtig sind. All das ist sehr erfüllend.

 

Es ist zum Beispiel noch nicht lange her, da hat mich ein Schüler aus meiner ersten eigenen Klasse wieder aufgesucht, weil es ihm ein Anliegen war mir mitzuteilen, warum er seinen Studiengang Physik gewählt hat. Ich konnte mich selbst gar nicht mehr daran erinnern, aber er erzählte mir, wie ich  in einer wahrscheinlich typischen Lehrerattitüde in der dritten Klasse vom Hundertsten ins Tausendste gekommen sein musste und von den Sternen und den Planeten erzählte. Jedenfalls hat das diesen damals Achtjährigen so bewegt, dass er eine Faszination für dieses und andere verwandte Themen entwickelte, sie nie verloren hat und nun schon bald sein Master angehen kann.

 

 

Irgendwas hat in diesem Kind damals einen Funken gelegt. Und das Handeln eines Lehrers legt in Heranwachsenden sooo viele Funken! Manche sind einem gar nicht klar, manche sind positiv, manche negativ. Beides hinterlässt Spuren. Aber sogar negative Funken bringen einen selbst oder die Kinder voran, denn die Abgrenzung zu dem, was man nicht sein will, ist wiederum die Definition dessen, was man sein will. Dadurch steckt in jedem Schüler einiges von einem selbst. Mal mehr, mal weniger, aber letztlich ist ein Erwachsener die Summe aus sich selbst in Kombination mit allen Menschen, mit denen er pädagogisch oder eben auch nicht pädagogisch in Interaktion getreten ist. Diese Begegnungen formen das “innere Kind”, das in jedem Erwachsenen steckt und sein Handeln bestimmt (worauf ich in einem späteren Beitrag ausführlich eingehen werde).  

 

Diese Begeisterung für das Unterrichten und Leben mit Kindern, ihnen ihren Raum zum Entdecken und zur Entfaltung zu geben, mit den Schülern gemeinsam das Leben mit all seinen Facetten zu erkunden, das ist meine eine Säule im Leben. 

Die andere Säule ist es, meine Begeisterung an Kollegen weiterzugeben. Weil jeder Lehrer ein zentraler Bestandteil im Leben unserer Kinder ist.

Vielleicht kennst du folgende Szene auch aus eigener Erfahrung: Du gehst in eine Fortbildung und hinterher fragst du dich, warum du damit deinen Nachmittag verbracht hast. Mir ging es zumindest oft so, weshalb ich das anders machen wollte und auch meinen Schülern richtiges Präsentieren beibringe. Und es hat auch dazu geführt, dass ich in meiner bisherigen Karriere schon selbst einige Seminare gehalten habe. Und hey, ich glaube, sie waren gar nicht so schlecht. Denn wie gesagt: Die Abgrenzung zu dem, was man nicht sein will, ist wiederum die Definition dessen, was man sein will.

 

Ich möchte bei meinen Fortbildungen auch immer etwas von meinen eigenen Überzeugungen, die ich für die Entwicklung der Schüler hilfreich finde, einfließen lassen. Zahlreiche Kollegen habe ich auch nach einem gemeinsamen Tag noch auf ihrem Weg begleitet. Denn die Themen waren ja immer Inhalte, für dich ich brenne, die meine Leidenschaft wecken, die mir am Herzen liegen und bei denen es mir wichtig ist, dass jeder möglichst viel für sich mitnimmt. Letztlich sollte doch jede Fortbildung, jedes Seminar, jeder Workshop, jede Tagung, jeder Podcast, jeder Blog und jeder Kurs den Teilnehmern etwas vom dem mitgeben, wofür der Redner brennt. Dann ist es echt, dann ist es gut. Und auf diese Weise gibt man ein kleines Pflänzchen, einen kleinen Funken von der eigenen Leidenschaft anderen Lehrerpersönlichkeiten mit. Die vielleicht wiederum einen Teil davon an ihre eigenen Schüler weitergeben. Oder daran ganz eigene Ideen und kreative Prozesse ansetzen. Und das ist sehr viel mehr, als es “nur” den eigenen Schülern mitzugeben.

 

 

Nur leider setzt mir das Fortbildungssystem letztlich nicht umfassend genug an. Ich referiere zum Beispiel viel über digitale Medien im Unterricht. Ich bin in dieser Materie echt tief drin und platze vor Ideen und Ansätzen, aber dennoch kann ich jahrelang unverändert auf diesen Fortbildungen kaum mehr als meine grundsätzlichen Überzeugungen zu diesem Thema weitergeben. Warum? Wegen immer noch sehr verbreiteter Skepsis? Oder weil die Reichweite allenfalls regional ist? Oder weil in der Uni immer noch viel zu wenig zu diesem Thema vermittelt wird, so dass jedes Jahr neue ausgebildete Lehrer nachkommen, von denen zu wenige auf die Herausforderungen von heute oder morgen vorbereitet sind? Oder weil es einem als Teilnehmer möglicherweise schwer fällt, mit dem mitgenommenen Funken weiter zu arbeiten,  weil einen viel zu schnell wieder der restliche Lehreralltag einfängt, man in seiner Routine gefangen ist und dadurch der Weitblick sowie der offene Geist fehlt, um seine Interessen frei entfalten zu lassen und seine Leidenschaften zu entdecken?

 

Womit ich finally beim Grund für diesen Blog angekommen wäre: Ich möchte meine Begeisterung und die Dinge, für die ich persönlich brenne und die mir in meinem Lehrerdasein wichtig sind, mehr Menschen zugänglich machen. Damit mehr Kinder von heute auf die Welt von morgen vorbereitet sein können.

 

Geschehen soll das hier in einer Weise, die es nicht bei einer Fortbildung am Nachmittag belässt, sondern jederzeit nachlesbar und nach Themen sortiert eine Unterstützung sein möchte. Synergetisiert mit den Aspekten der Achtsamkeit für sich und die Welt. Ein Wegbegleiter und Unterstützer, ergänzt mit hilfreichen Materialien. Materialien, die nicht den Sammeltrieb befriedigen sollen, sondern durch ihren reduzierten und klaren Inhalt überzeugen. Ideen, die inspirieren, zu eigener Kreativität verführen oder einfach sofort verwendet werden können. Dafür möchte ich mich für dich einsetzen. Denn das ist meine Leidenschaft, die sich im Laufe der Jahre nicht nur manifestiert, sondern auch weiterentwickelt hat. Eine Leidenschaft, die weit mehr ist als das vorübergehende Gefühl einer Aufgeregtheit.

 

 

Für all diejenigen hier, die mit der gleichen Leidenschaft für bestimmte Dinge ans Werk gehen wollen, stehe ich mit Rat und Tat zur Seite. Für dich schreibe ich. 

 

 

 

be yourself and empower your life, dein nico