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GO. DO. CREATE.

by nico

Ich bevorzuge es zwar, meine Ausführungen und Beiträge für mich sprechen zu lassen und auf diese Weise einen Eindruck von meinen Ansichten, Überzeugungen und Zielen entstehen zu lassen. Dies ist meiner Meinung nach viel umfassender als das reine Aufzählen meiner Referenzen. Aber vielleicht ist es für dich wichtig zu wissen, mit welchem Background derjenige schreibt, der so einen Blog verfasst. Und nachdem die Vergangenheit eines Menschen auch viel über seine Intentionen aussagt, gehe ich in diesem Beitrag auf meine ein.

 

Digital meets mindful. Oder mit den Worten von John F.Milburn: 

“When your work becomes your life’s mission, you no longer need a work-life-balance.”

In diesem Blog geht es ja um Achtsamkeit und Unterrichten im digitalen Zeitalter. Und wenn ich mich in meinem Leben möglichst weit zurück denke, um an den Ursprung dieser Leidenschaft anzukommen, dann würde ich sagen, dass ich dabei in der neunten Klasse lande. In meinem Altgriechisch-Unterricht am Gymnasium. Ich war zwar in diesem Fach grottenschlecht, aber unser Lehrer hatte eine Gabe, die Geschichten dieser alten Zeiten so in Worte fassen zu können, dass die Bilder im Kopf von alleine sprudelten. Konkret ging es damals um Sokrates’ Verteidigungsrede vor dem athenischen Gericht, ich weiß nicht mehr, wofür er sich verteidigen musste, aber wahrscheinlich war er wieder mal zu provokant und frech. Jedenfalls ließ Sokrates dabei den Satz fallen: “Ich weiß, dass ich nicht weiß.” (οδα οκ εδώς)

 

 

Vielleicht habe ich mir den Satz damals so gut gemerkt, weil er meinem persönlichen Bild von mir in der zehnten Klasse entsprach. Oder weil ich sehr schlecht darin war, mich für das  Lernen der Vokabeln zu motivieren – aber sehr gut darin, im Wörterbuch rasch die Bedeutungen zu finden. Jedenfalls reden wir hier von einer Zeit, in der gerade die Verbindungstöne eines Modems durch mein Zimmer düdelten, um mehr von diesem Internet und seinen Möglichkeiten kennenzulernen. Die Gründung von Wikipedia war nicht mehr weit entfernt, und im Laufe meines Studiums wurde es zunehmend leichter, Recherche auch über das Internet zu betreiben. Es gab so viel Wissen, jederzeit verfügbar, täglich erweitert und so viel umfangreicher und aktueller als jeder Brockhaus! Der Brockhaus war damals noch so etwas wie eine Art Referenz für  mich, weil er in meiner Erziehung oft als letzte Instanz herangezogen wurde. Eigentlich wollte ich deswegen auch immer eine Gesamtausgabe im Wohnzimmerschrank stehen haben. Der Brockhaus war das Internet 1.0!

 

Whatever, irgendwann war ich im Referendariat angekommen. Sokrates’ Satz ging mir nie aus dem Kopf und schon für meine allererste Vorführstunde, die ich vor meiner Seminarleiterin gehalten hatte, wählte ich als Thema “Recherche”. Denn in einer Zeit, in der das verfügbare Wissen immer mehr wurde, war es mir ganz naturgemäß ein Anliegen, die Kinder darauf vorzubereiten, aus den verfügbaren Medien (in diesem Falle Buch, PC-Lexikon und Zeitung) möglichst zielstrebig und geschickt eine gesuchte Information zu entnehmen.

 

Meine Hausarbeit im Referendariat ging in die gleiche Richtung und eröffnete demzufolge mit Sokrates’ Zitat. Meine Auseinandersetzung mit digitalen Medien nahm ganz von alleine immer zu, und angekommen im Lehrerberuf kam ich rasch in die Rolle des Systembetreuers, für die sich seitdem kein anderer gefunden hat. Was mir auch “Freuden” mit WinLD oder ASV verschafft hat. In den darauffolgenden Jahren als Praktikumslehrer für Lehramtsstudenten, als Betreuungslehrer von Referendaren, als Stundenhalter vor anderen Seminaren und als Referent auf Fortbildungen für Lehrer-Kollegen manifestierte sich in der regionalen Lehrerlandschaft die Meinung, dass man bei mir ganz gut aufgehoben sei, wenn man Fragen zum Unterricht (unter anderem) mit Medien hat. Auch für meine Schülereltern pflegte ich eine zeitlang einen Blog, um darüber zu kommunizieren, wenn die Kinder zuhause vielleicht so etwas wie die Hausaufgaben oder einen verfrühten Unterrichtsschluss nicht erzählt haben.

 

Es war daher nur logisch, dass ich mir auch den wissenschaftlichen Unterbau aneignete und das Examen in Medienpädagogik nachholte. Fünf Jahre lang konnte ich dann meine Fortbildungen, Elternabende und Workshops in Bayern mit dem Titel “Medienpädagogisch-informationstechnischer Beratungslehrer” eröffnen, was sich natürlich kein Mensch merken konnte, aber dem vermeintlichen Computer-Nerd zu einem Publikums-amüsierendem Einstieg verhalf. Nach und nach überzeugte ich sogar den offiziellen Medien-Geldkoffer-Besitzer des Schulamtsbezirks von der Anschaffung von Tablets für die Schule: Finally verfügt meine Schule nun über 40 iPads bei 300 Schülern und eine Vorreiterrolle für einen Unterricht im digitalen Zeitalter – inklusive einem Flipped-Classroom-Bereich!

 

Und alles begann mit Sokrates. Wenn mein Altgriechisch-Lehrer noch leben würde, ich müsste ihn unbedingt aufsuchen. Um ihm zu danken. Dafür, dass er mit dieser kleinen Geschichte einen solchen Funken in mir gepflanzt hat.

 

 

 

be yourself and empower your life, dein nico